Archiv

Uncategorized

Kleine Echos im Kopf. M., der erzählte, wie er einkaufen ging, obwohl er gar nichts brauchte. Um mit jemand zu reden. Was ihm nie passiert ist, als er den ganzen Tag Kollegen um sich hatte.
T war richtig glücklich, als er die mal völlig undigitale Arbeiten mit alten Bleilettern schilderte. Wie  er unter manche dünnes Papier legen musste, abgenutzt, wie sie waren, damit der Druck klappte. Handarbeit, bei der es so herrlich egal war, dass sie sich finanziell nicht gelohnt hat.

Kurz die Echos ausklingen lassen, bis wieder neue Lust zum Reden und Hören da ist.
Vor der Kneipentür nur ich und eine Zigarette und ein Aschenbecher. Windstille. Stimmgewirr im Hintergrund.

„Kaum noch einer hier draußen.“
Ich hatte sein Kommen gar nicht bemerkt. Ein unbekanntes Gesicht. Kenn ich nicht.

„Waren früher so viele hier“.
Bin mir nicht sicher, ob er laut mit sich selber oder mit mir redet.

„Richtig einsam.“

Überlege kurz, ob ich widerspreche. Könnte sagen, wie angenehm es hier ist, wenn man weiß, dass man gleich wieder rein geht. Und überhaupt: Kein wildes Gedrängel um den Aschenbecher. Sage nichts.

„Schmeckt auch nicht mehr.“
Er drückt die halb gerauchte Zigarette im Aschenbecher aus und geht rein.

Ich muss meine Selbstgedrehte noch mal anzünden.

Advertisements

Was machen unsere Wörter eigentlich manchmal? Nein, ich rede jetzt nicht von Linguistik-Kram – Ich meine in der Praxis. Verhalten die sich wie Treibgut? Das die Strömung mal hier, mal dorthin verschlägt, wobei es sich Scharten und Riefen einhandelt, bis man die alte Form gar nicht mehr erkennt?

Irgendwie könnte es einem Wort so gegangen sein, dass ich schon viele Jahre lang aufgrund seines wischiwaschi-flausch-buzzword-Charakters in den Orkus gewünscht habe.
Ich meine das Wort „ganzheitlich“. Wähnte ich es doch fest vor Anker in der engen Bucht der Patschuliduft umwehten Betroffenheitsapostel und all derer, die einem unlieben Gegenargument nur mit Verweis auf das G-Wort  entkommen konnten.
Vor allem wegen Letzterem habe ich es so so oft in den Orkus gewünscht.

Aber entgegen meinen Wünschen ist es nicht dort aufgeschlagen, sondern – beim BKA.

Kein Scherz: Als das Handelsblatt schrieb „Das BKA ist nach eigener Darstellung „herausragender Eckpfeiler eines ganzheitlichen Systems der Verbrechensbekämpfung“.“ hielt ich das noch für den raffinierten Versuch einer Verunglimpfung dieser Institution. Oder für eine freudsche Fehlleistung oder was auch immer. Einen Lesefehler, in der Selbstauskunft stand vielleicht „granularen“ oder „gravitösen“. Aber auch bei der Polizei findet sich die zitierte Darstellung in „Die Kriminalpolizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei“.

Frage mich, was da passiert ist. Ist das jetzt wie bei „Männer die auf Ziegen starren“? Haben die eine Abteilung mit Ex-Hippies aufgemacht? Oder sagen die das nur, weil inzwischen halt alle „ganzheitlich, ganzheitlich“ vor sich hinmurmeln?

Aber vielleicht sind manche Wörter gar nicht wie Treibgut, sondern eher wie Viren, die das Gebiet ihrer ursprünglichen Wirte verlassen – machen dann so eine Art Artensprung? Und landen dann als Ausbrecher aus der Hippie-Komune – beim BKA?

Vermutlich wird auch diese Frage unbeantwortet bleiben. Wollte sie nur aus Gründen der Ganzheitlichkeit loswerden.